Warum gilt Finnland als eins der glücklichsten Länder? 

Während meines Erasmus+ Schüleraustausches in Finnland habe ich viele Eindrücke gesammelt, die gut erklären, warum das Land als eines der glücklichsten der Welt gilt. Besonders aufgefallen ist mir die sehr stressfreie Lebensweise der Menschen. Auf Landstraßen wird meist nicht schneller als 80 km/h gefahren und auch auf der Autobahn bleibt das Tempo eher niedrig. Dadurch entsteht eine ruhige Atmosphäre ohne Hektik, die ich selbst als sehr angenehm empfunden habe. Man fühlt sich insgesamt entspannter und weniger unter Zeitdruck.
 
Diese Gelassenheit zeigt sich nicht nur im öffentlichen Raum, sondern auch im privaten Umfeld. Sowohl zuhause als auch unter Nachbarn herrscht eine angenehme, respektvolle Stimmung. Die Menschen gehen freundlich miteinander um und nehmen Rücksicht aufeinander. Dazu trägt auch das starke Sozialsystem bei, das den Menschen Sicherheit gibt. Gleichzeitig hatte ich den Eindruck, dass das Vertrauen in den Staat und in die Mitmenschen sehr hoch ist, was den Alltag spürbar erleichtert und das Zusammenleben harmonischer 
macht.
Auch das finnische Schulsystem hat bei mir einen sehr positiven Eindruck hinterlassen. Die Schulen sind fair aufgebaut und stark auf Chancengleichheit ausgerichtet. In der Schule bekommt man meist kostenloses und sehr abwechslungsreiches Essen, was für alle selbstverständlich ist. Im Unterricht fällt auf, dass die Lehrer den Schülern viel zutrauen. Die Lehrkräfte erklären zu Beginn, welche Aufgaben zu erledigen sind, und lassen die Schülerinnen und Schüler anschließend selbstständig arbeiten. Dafür dürfen sie entweder im Klassenraum bleiben oder sich an einen der Tische in der Mensa setzen. Am Ende der Stunde hatten alle ihre Aufgaben erledigt, was zeigt, dass dieses Vertrauen gerechtfertigt ist. Besonders angenehm empfand ich auch den Umgang mit Feedback. Kritik wird offen geäußert, aber nie verletzend. Stattdessen erklären die Lehrkräfte ruhig und freundlich, was gut gelungen ist und wo man sich noch verbessern kann. Dadurch fühlt man sich ernst genommen und auch motivierter. Außerdem sind die Menschen in Finnland sehr offen gegenüber neuen Begegnungen, was den Schüleraustausch für mich besonders positiv
gemacht hat. Der Schulalltag ist insgesamt ruhig und gut strukturiert. Eine Schulstunde dauert 75 Minuten, was zwar länger ist als bei uns, aber durch die 15-minütigen Pausen nach jeder Stunde und eine 45-minütige Mittagspause gut ausgeglichen wird.
 
Insgesamt habe ich in Finnland erlebt, dass Ruhe, Vertrauen, soziale Sicherheit und gegenseitiger Respekt eine große Rolle spielen. Diese Erfahrungen haben mir gezeigt, warum Finnland als eines der glücklichsten Länder der Welt gilt.
 
Caroline Piotrowski (MSS 12)
veröffentlicht am 10.02.2026

Wie ich meine Abende in Italien verbrachte

Ich war dieses Jahr im Januar für zwei Wochen in Italien und nahm an einem Erasmus+- Individualaustausch teil. Die Zeit in Italien habe ich persönlich sehr genossen. Die Zeit hat mir viel Spaß gemacht und war eine sehr interessante sowie schöne Erfahrung. Zuvor hatte ich bereits an zwei Gruppenaustauschen teilgenommen, weshalb der Individualaustausch etwas Neues für mich war, das ich unbedingt erleben wollte.

Die Tage beziehungsweise die Abende verbrachte ich fast jeden Tag anders. Meistens verliefen die Tage so, dass wir bis 13 Uhr Schule hatten. Nach der Schule gingen meine Austauschpartnerin, die Austauschpartnerin meiner Freundin und meine Freundin zusammen Mittagessen und danach hatten ich und meine Freundin Freizeit in der Stadt, da unsere Austauschpartnerinnen oft viel lernen mussten. In der Zwischenzeit durften wir die Stadt erkunden, um nicht gelangweilt zu sein, da wir unsere schulische Aufgaben in den Freistunde in der Schule erledigen konnten.

Die meisten Abende fuhr ich dann mit meiner Austauschpartnerin nach Hause, wo wir gemeinsam mit der Familie zu Abend gegessen haben. Nach dem Abendessen haben wir uns häufig viel unterhalten, was für mich persönlich sehr amüsant war, da ich mich mit meiner Austauschfamilie sehr gut verstanden habe. An manchen Tagen haben wir nach dem Abendessen Gesellschaftsspiele gespielt, was ebenfalls sehr lustig war.

Ein Abend blieb mir besonders in Erinnerung, da wir ein wunderschönes Theater besucht haben .Das Stück fande ich sehr schön, allerdings gab es ein Problem mit der Sprachbarriere: Weil ich kein Italienisch spreche, war es unmöglich für mich, das Stück komplett zu verstehen. Trotzdem konnte ich einen Teil verstehen, weil man sich gut um uns kümmerte in der Schule: Wir  bekamen die ganzen Informationen zum Stück und somit konnten wir uns vorher darüber erkundigen.

Aus meiner Sicht waren die Wochenenden am schönsten, obwohl wir samstags Schule hatten, weil wir uns abends schön gemacht haben und mit Freunden in die Stadt gegangen sind.Ich wurde sehr gut mit in deren Gespräch involviert und habe mich an keinem Punkt ausgeschlossen gefühlt. Wir haben dann immer der Stadt was gegessen und sind danach nach hause gefahren.

Am nächsten Tag (Sonntag) waren wir einmal in Verona und einmal in Mailand von vormittags bis ungefähr 17/18 Uhr und dann haben wir abends ganz normal mit der Familie gegessen.

Die Abende sind nicht gewaltig unterschiedlich zu Deutschland, aber ich fand es trotzdem sehr schön, mal eine andere Erfahrung zu machen und zu sehen, wie Familien in einem anderen Land ihre Tage verbringen und ich würde es persönlich weiter empfehlen, denn es wurde alles sehr sorgfältig organisiert und es gab keinerlei Probleme oder Konflikte in der Schule, mit der Familie oder mit den Menschen dort.

Mir hat es persönlich wirklich sehr viel Freude bereitet und es war sehr schön, sich einer neuen Gemeinschaft zu öffnen.Es war auch eine Erfahrung wert zu sehen, wie anders deren Kultur ist und welche besonders unterschiedliche Gewohnheiten sie haben.

Arina Budde (MSS 11)

veröffentlicht am 10.2.2026

Ein Monat in Portugal - meine Beobachtungen

 
Ich verbrachte im Rahmen eines Erasmus+-Austausches einen Monat in Portugal und lernte die portugiesische Kultur kennen. Dabei fiel mir sofort auf, wie sehr sich Deutschland und Portugal unterscheiden. Zum Beispiel haben die meisten Geschäfte in Portugal auch sonntags auf, und die Gastfreundschaft der Familie, bei der ich wohnte, war sehr groß - sie hießen mich herzlich willkommen. Kultur ist jedoch nicht nur ein großes Ganzes, sondern besteht aus vielen kleinen Details, die man oft nicht direkt bemerkt. Deshalb habe ich meinen Bericht den Tradition, dem Essen, der Infrastruktur und der Geschichte gewidmet.
 
Tradition
Ich habe ein paar meiner Mitschüler-/innen gefragt, welche Traditionen bei ihnen zu Hause üblich sind. Ines erzählte mir, dass sie zu Hause jedes Weihnachten Oktopus und Kabeljau essen. Leonor, meine Austauschschülerin, geht jeden Sonntag zu ihrer Oma zum Mittagessen. Miguel verbringt jedes Wochenende mit seiner Familie in einem Café, und Daniel erklärte, dass man sich in Portugal mit zwei Küssen und einer Umarmung verabschiedet und begrüßt.
Diese Beispiele zeigen, dass viele Traditionen in Portugal mit Essen, Familie und Gemeinschaft verbunden ist. Ich selbst habe bemerkt, dass ich von den Menschen sehr herzlich aufgenommen wurde und sie sich Mühe gaben, mich einzubeziehen. Eine weitere Tradition ist das Fest der Heiligen. Ich besuchte das Fest von St. Amaro und Sao Goncalo. Wir aßen in der Kirche, nahmen am Gottesdienst teil und am Abend wurde das Fest mit einem Feuerwerk abgeschlossen.
 
Infrastruktur
Portugiesische Häuser unterscheiden sich stark von den deutschen Häusern. Die meisten besitzen keine Zentralheizung, haben Fliesen als Boden, und eher dünne Wände. Das liegt daran, dass Portugal ein warmes Land ist und keinen so starken Winter wie Deutschland hat. In deutschen Häusern sorgen dickere Wände und die Zentralheizung für Schutz vor Kälte. Zusätzlich fiel mir auf, dass viele Häuser offene Balkone oder Terrassen haben, oft mit vielen Pflanzen und
kleiner Begrünung. Die Straßen sind teilweiser enger und verwinkelter als in Deutschland, mit vielen Kopfsteinpflaster, was dem Ganzen einen charmanten alten Stil gibt. Auch öffentliche Verkehrsmittel wie Straßenbahnen oder die Metro sind sehr präsent und oft eine gute Alternative zum Auto.
 
Essen
Während meines Aufenthaltes gab es fast jeden Tag frischen Fisch, der deutlich besser schmeckt als in Deutschland. Direkt an der Küste kann man auf dem Fischmarkt frische Fische kaufen. Zu den bekanntesten Gerichte zählen Bacalhau a bras, ein Gericht aus Kabeljau, Pommes, Eiern und Salsa, sowie Bacalhau com natas mit Kabeljau, Kartoffeln und Sahne. Das berühmteste Gericht in Porto ist jedoch Francesinha, ein Sandwich aus Steak, Wurst und Schinken, überbacken mit Käse und serviert mit einer Bier-Tomaten-Soße. Ich habe es selbst zwei mal probiert und fand es sehr lecker. Berühmte Süßspeisen sind Pasteis de nata, heiße Puddingtörtchen, die seit dem 18. Jahrhundert hergestellt werden, sowie Pao de lo, ein sogenannter Schwammkuchen, der oft auf Festen gegessen wird.
 
Alles in Allem ist die portugiesische Kultur ein gutes Stück anders als die deutsche. Die Menschen sind aufgeschlossener und hießen mich willkommen und luden mich ein, sie im Sommer nochmal besuchen zu kommen.
 
Anny-Lee Gabel (10a)
veröffentlicht am 9.2.2026

Welcher Austausch passt zu mir?

Im Laufe meiner Schulzeit hatte ich durch Erasmus+ die Chance, an insgesamt vier Austauschen teilzunehmen. Dadurch kam mir das Privileg zuteil, die unterschiedlichsten Erfahrungen zu machen. Ich persönlich kann Austausche jedem empfehlen; trotzdem ist es wichtig, den für sich als Person passenden Ort, die passende Länge und die passende Austausch-Art zu finden. 

Grundlegend sollte man sich erstmal darüber im Klaren sein, was ein Austausch überhaupt ist: Man lebt in einer anderen Familie. Dort übernimmt man deren Routine bzw. gliedert man sich in die Routine ein. Man muss natürlich offen für andere Kulturen, andere Aktivitäten und das Sprechen einer anderen Sprache sein. Es ist auch wichtig zu wissen, dass euch vorort kein Urlaub erwartet, sondern die Möglichkeit, in das Leben einer anderen Person reinzuschnuppern und Freunde zu finden. 

Jetzt, wo wir uns darüber im Klaren sind, was ein Austausch ist und dass das, was uns erwartet, nach etwas klingt, dass dir Spaß machen könnte, gehen wir über in die Austausch-Art. Bei uns werden zwei Arten angeboten.

Zum einen gibt es Gruppenaustausche: Bei denen fährt man gemeinsam mit einer Gruppe von Schülern (erfahrungsgemäß ca. 15–20 Personen, dies kann jedoch variieren) und je nach Größe der Gruppe ein paar Lehrern (meist zwei) weg. Das Besondere dabei ist, dass man ein festes Programm hat und nur ein bis zwei Tage Freizeit bekommt. Das Programm reicht vom Projektarbeit und Museumsbesuch über gemeinsame sportliche Aktivitäten bis zum regulären Unterricht. Man befindet sich dabei praktisch immer in einer Gruppe und hat wenig Zeit allein mit dem Austauschpartner. Vor allem für Menschen, bei denen die Englischkenntnisse noch nicht ausgereift sind, oder die Sorgen haben, sich nicht gut genug verständigen zu können, ist das eine sehr gute Option, denn selbst wenn du im Moment nicht weißt, wie du etwas sagen sollst, kannst du immer einen deiner Mitschüler in deiner Nähe um Hilfe bitten. Einen großen Nachteil, den ich bei Gruppenaustauschen wiederum sehe, ist das Risiko, dass sich die Gruppe in „Deutsch“ und „nicht Deutsch“ aufteilt, da es oft gewohnter ist, Zeit mit seinen Freunden zu verbringen. Da kann ich euch nur ermutigen, euch auch mal zu der Gruppe eurer Austauschpartner zu gesellen, denn dafür seid ihr ja schließlich dort. Ein weiterer Nachteil ist, dass man den Alltag und die Routine nicht authentisch erlebt. Oft ist das Programm bis zum Nachmittag/Abend voll, so bekommt man kaum die Chance, an Hobbies des Partners oder am richtigen Schulunterricht teilzunehmen. Dabei muss man natürlich bedenken, dass man durch dieses „volle Programm“ in kurzer Zeit extrem viel von der Gegend zu sehen bekommt. Bei Gruppenaustauschen kann man jedoch nicht entscheiden, wohin man fährt und wie lange man bleibt. Das entscheidet die organisierende Lehrkraft.

Zum anderen gibt es sogenannte „Individualaustausche“. Diese zeichnen sich darin aus, dass man den Aufenthalt ganz ohne Lehrkraft verbringt. Bei solch einem Austausch reisen typischerweise Gruppen aus zwei bis vier Schülern, manchmal ist man auch alleine. Und selbst, wenn man die Mitreisenden nicht kennt, braucht man sich keine Sorgen zu machen. Auf meinen beiden Individualaustauschen war ich jeweils mit Schülern, die ich praktisch nur vom Sehen her kannte. Trotzdem haben wir viel Zeit miteinander verbracht und hatten großen Spaß. Und für den Fall, dass man sich wirklich nicht gut versteht (kann ich mir nicht vorstellen), kann man seine Zeit ja mit seinen Austauschpartnern oder anderen Freunden, die man finden wird, verbringen. Wichtig bei Individualaustauschen ist es, anzumerken, dass man so gut wie kein von der Schule vorgegebenes Programm hat. Natürlich muss man den Unterricht zu den regulären Zeiten besuchen, aber den Rest der Zeit kann man nach seinen Wünschen gestalten. Man schreibt in dieser Zeit auch an einer kleinen Projektarbeit für die deutsche Schule. Durch diesen Austausch bekommt man viel vom regulären Alltag und Familienleben mit. Die Aktivitäten, die man dort plant, sind auch besser auf eure individuellen Vorlieben abgestimmt, denn ihr und eure Austauschfamilie können zusammen überlegen, worauf ihr Lust habt.

Falls ihr euch für einen Individualaustausch entschieden habt, solltet ihr euch Gedanken über die Länge machen. Dabei muss man sich natürlich im Klaren darüber sein, dass man das ganze verpasste Material selbständig nachholt. Es gibt hierbei viele Faktoren mit einzubeziehen, z. B. in welcher Stufe ihr seid, ob das euer erster Austausch ist oder wie es um eure Noten steht.In der Oberstufe sind lange Austausche nicht zu empfehlen. In der Mittelstufe dagegen sind sie durchaus gut umzusetzen. Wenn man große Probleme in der Schule hat, könnte der verpasste Stoff die Lage noch verschlechtern, daher wäre ein kurzer Austausch angemessener. Falls man noch gar keine Erfahrungen mit Auslandsreisen hat, ist es ratsam, nicht direkt super lange wegzugehen, man sollte sich eher Stück für Stück herantrauen. Außerdem kann man auch an Austauschen teilnehmen, wenn man kein freies Zimmer hat. Bei Kurzaufenthalten ist es durchaus denkbar, sich ein Zimmer zu teilen.

Bei dem Ort ist man relativ frei. In erster Linie muss das Land in der EU liegen. Unsere Schule hat einige Partnerschulen, aus denen man wählen kann. Falls man eigene Kontakte hat, kann man auch bei Bekannten wohnen. Und wenn man in ein Land möchte, das nicht auf der Liste steht, dann fragt einfach mal nach. Mit etwas Glück könnte Frau Caesar etwas organisieren. Beim Aussuchen des Landes kommt es komplett auf die eigenen Präferenzen an. Manche mögen warmes Wetter, lernen die Sprache des Landes, interessieren sich für die Geschichte des Landes oder möchten sich die Landschaft ansehen. Informiert euch einfach im Voraus über die Länder  und entscheidet darauf basierend.

Zusammengefasst gibt es für jeden Interessierten etwas Passendes. Und falls man trotzdem Fragen hat oder sich unsicher ist, was zu einem selbst passt, kann man einfach mal nachfragen. 

Elisabeth Hoffmann (MSS 11)

veröffentlicht am 10.2.2026

Wo ist das Salz?

Dieses Jahr durfte ich, finanziert durch Erasmus, an einem zweiwöchigen Austausch nach Helsinki in Finnland teilnehmen. Neben den unzähligen Erinnerungen, die ich aus diesen zwei Wochen mitnehme, konnte ich auch viele typisch finnische Erfahrungen sammeln. So lief ich zum Beispiel auf einem zugefrorenen See Schlittschuh, ging bei –15 Grad Eisbaden oder verbrachte lange Saunaabende. Außerdem durfte ich an einer weiteren sehr typischen finnischen Sache teilnehmen, dem gemeinsamen, kostenlosen Essen in der Schulkantine.

Beim Mittagessen sitzen alle Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte bunt gemischt an Tischen. Die Gerichte reichen von Hirsebrei mit Beeren über Gemüsebratlinge und Fisch mit Kartoffelpüree bis hin zu Würstchensuppe. Eine Sache fällt bei der Vielfalt der finnischen Küche jedoch besonders auf: Das Essen schmeckt deutlich weniger salzig als bei uns zu Hause. Also begebe ich mich auf die Suche nach einem Salzstreuer. Als ich nach etwa fünf Minuten erfolgloser Suche an unseren Tisch zurückkomme, werde ich etwas verwirrt angeschaut. Ich erkläre meiner Austauschpartnerin mein vergebliches Vorhaben. Daraufhin sagt sie mir, dass man in keiner finnischen Schulkantine Salzstreuer finden wird, da zu viel Salz als ungesund gilt.

Das war das erste Mal das ich mit dem Nordkarelien-Projekt in Kontakt kam. Das Nordkarelien-Projekt entstand in den 1970er-Jahren im Osten Finnlands. Damals hatte die Region eine der höchsten Raten an Herz-Kreislauf-Erkrankungen weltweit. Viele Menschen starben früh an Herzinfarkten, unter anderem wegen einer sehr salz- und fettreichen Ernährung. Als Reaktion darauf startete Finnland ein groß angelegtes Gesundheitsprojekt. Ziel war es, die Ernährung der Bevölkerung langfristig zu verändern. Dabei ging es nicht um Verbote, sondern um Aufklärung und neue Gewohnheiten. Der Salzgehalt in Lebensmitteln wurde schrittweise reduziert, pflanzliche Fette gefördert und gesünderes Essen in Schulen, Kantinen und Supermärkten etabliert.

Besonders auffällig ist, dass diese Veränderungen bis heute spürbar sind. Dass in finnischen Schulkantinen kein Salz auf den Tischen steht, ist also ein direktes Ergebnis des Projekts, wie ich herausfand. Die meisten Finnen sind es inzwischen gewohnt, weniger salzig zu essen, ohne es als Verzicht wahrzunehmen und selbst Kinder lerne im Schlunterricht über die schädlichen Auswirkungen von Salz. Das Nordkarelien-Projekt gilt heute als eines der erfolgreichsten Präventionsprogramme weltweit. Es hat nicht nur die Gesundheit der Bevölkerung verbessert, sondern auch gezeigt, dass gesellschaftliche Veränderungen im Alltag beginnen, manchmal sogar bei etwas so Einfachem wie einem fehlenden Salzstreuer.

Laura Groß (MSS 12)

veröffentlicht am 1.2.2026