Welcher Austausch passt zu mir?
Im Laufe meiner Schulzeit hatte ich durch Erasmus+ die Chance, an insgesamt vier Austauschen teilzunehmen. Dadurch kam mir das Privileg zuteil, die unterschiedlichsten Erfahrungen zu machen. Ich persönlich kann Austausche jedem empfehlen; trotzdem ist es wichtig, den für sich als Person passenden Ort, die passende Länge und die passende Austausch-Art zu finden.
Grundlegend sollte man sich erstmal darüber im Klaren sein, was ein Austausch überhaupt ist: Man lebt in einer anderen Familie. Dort übernimmt man deren Routine bzw. gliedert man sich in die Routine ein. Man muss natürlich offen für andere Kulturen, andere Aktivitäten und das Sprechen einer anderen Sprache sein. Es ist auch wichtig zu wissen, dass euch vorort kein Urlaub erwartet, sondern die Möglichkeit, in das Leben einer anderen Person reinzuschnuppern und Freunde zu finden.
Jetzt, wo wir uns darüber im Klaren sind, was ein Austausch ist und dass das, was uns erwartet, nach etwas klingt, dass dir Spaß machen könnte, gehen wir über in die Austausch-Art. Bei uns werden zwei Arten angeboten.
Zum einen gibt es Gruppenaustausche: Bei denen fährt man gemeinsam mit einer Gruppe von Schülern (erfahrungsgemäß ca. 15–20 Personen, dies kann jedoch variieren) und je nach Größe der Gruppe ein paar Lehrern (meist zwei) weg. Das Besondere dabei ist, dass man ein festes Programm hat und nur ein bis zwei Tage Freizeit bekommt. Das Programm reicht vom Projektarbeit und Museumsbesuch über gemeinsame sportliche Aktivitäten bis zum regulären Unterricht. Man befindet sich dabei praktisch immer in einer Gruppe und hat wenig Zeit allein mit dem Austauschpartner. Vor allem für Menschen, bei denen die Englischkenntnisse noch nicht ausgereift sind, oder die Sorgen haben, sich nicht gut genug verständigen zu können, ist das eine sehr gute Option, denn selbst wenn du im Moment nicht weißt, wie du etwas sagen sollst, kannst du immer einen deiner Mitschüler in deiner Nähe um Hilfe bitten. Einen großen Nachteil, den ich bei Gruppenaustauschen wiederum sehe, ist das Risiko, dass sich die Gruppe in „Deutsch“ und „nicht Deutsch“ aufteilt, da es oft gewohnter ist, Zeit mit seinen Freunden zu verbringen. Da kann ich euch nur ermutigen, euch auch mal zu der Gruppe eurer Austauschpartner zu gesellen, denn dafür seid ihr ja schließlich dort. Ein weiterer Nachteil ist, dass man den Alltag und die Routine nicht authentisch erlebt. Oft ist das Programm bis zum Nachmittag/Abend voll, so bekommt man kaum die Chance, an Hobbies des Partners oder am richtigen Schulunterricht teilzunehmen. Dabei muss man natürlich bedenken, dass man durch dieses „volle Programm“ in kurzer Zeit extrem viel von der Gegend zu sehen bekommt. Bei Gruppenaustauschen kann man jedoch nicht entscheiden, wohin man fährt und wie lange man bleibt. Das entscheidet die organisierende Lehrkraft.
Zum anderen gibt es sogenannte „Individualaustausche“. Diese zeichnen sich darin aus, dass man den Aufenthalt ganz ohne Lehrkraft verbringt. Bei solch einem Austausch reisen typischerweise Gruppen aus zwei bis vier Schülern, manchmal ist man auch alleine. Und selbst, wenn man die Mitreisenden nicht kennt, braucht man sich keine Sorgen zu machen. Auf meinen beiden Individualaustauschen war ich jeweils mit Schülern, die ich praktisch nur vom Sehen her kannte. Trotzdem haben wir viel Zeit miteinander verbracht und hatten großen Spaß. Und für den Fall, dass man sich wirklich nicht gut versteht (kann ich mir nicht vorstellen), kann man seine Zeit ja mit seinen Austauschpartnern oder anderen Freunden, die man finden wird, verbringen. Wichtig bei Individualaustauschen ist es, anzumerken, dass man so gut wie kein von der Schule vorgegebenes Programm hat. Natürlich muss man den Unterricht zu den regulären Zeiten besuchen, aber den Rest der Zeit kann man nach seinen Wünschen gestalten. Man schreibt in dieser Zeit auch an einer kleinen Projektarbeit für die deutsche Schule. Durch diesen Austausch bekommt man viel vom regulären Alltag und Familienleben mit. Die Aktivitäten, die man dort plant, sind auch besser auf eure individuellen Vorlieben abgestimmt, denn ihr und eure Austauschfamilie können zusammen überlegen, worauf ihr Lust habt.
Falls ihr euch für einen Individualaustausch entschieden habt, solltet ihr euch Gedanken über die Länge machen. Dabei muss man sich natürlich im Klaren darüber sein, dass man das ganze verpasste Material selbständig nachholt. Es gibt hierbei viele Faktoren mit einzubeziehen, z. B. in welcher Stufe ihr seid, ob das euer erster Austausch ist oder wie es um eure Noten steht.In der Oberstufe sind lange Austausche nicht zu empfehlen. In der Mittelstufe dagegen sind sie durchaus gut umzusetzen. Wenn man große Probleme in der Schule hat, könnte der verpasste Stoff die Lage noch verschlechtern, daher wäre ein kurzer Austausch angemessener. Falls man noch gar keine Erfahrungen mit Auslandsreisen hat, ist es ratsam, nicht direkt super lange wegzugehen, man sollte sich eher Stück für Stück herantrauen. Außerdem kann man auch an Austauschen teilnehmen, wenn man kein freies Zimmer hat. Bei Kurzaufenthalten ist es durchaus denkbar, sich ein Zimmer zu teilen.
Bei dem Ort ist man relativ frei. In erster Linie muss das Land in der EU liegen. Unsere Schule hat einige Partnerschulen, aus denen man wählen kann. Falls man eigene Kontakte hat, kann man auch bei Bekannten wohnen. Und wenn man in ein Land möchte, das nicht auf der Liste steht, dann fragt einfach mal nach. Mit etwas Glück könnte Frau Caesar etwas organisieren. Beim Aussuchen des Landes kommt es komplett auf die eigenen Präferenzen an. Manche mögen warmes Wetter, lernen die Sprache des Landes, interessieren sich für die Geschichte des Landes oder möchten sich die Landschaft ansehen. Informiert euch einfach im Voraus über die Länder und entscheidet darauf basierend.
Zusammengefasst gibt es für jeden Interessierten etwas Passendes. Und falls man trotzdem Fragen hat oder sich unsicher ist, was zu einem selbst passt, kann man einfach mal nachfragen.
Elisabeth Hoffmann (MSS 11)
veröffentlicht am 10.2.2026
Ein Monat in Portugal - meine Beobachtungen
Handynutzung/Digitalisierung Spanien
Nach dem Aufenthalt in Llerena, Spanien, bei einem Schüleraustausch mit Erasmus+ habe ich bemerkt, wie anders die Schule im Vergleich zu unserer ist. Viele Regelungen sind gleich, aber es gibt auch paar Unterschiede.
Wo ist das Salz?
Dieses Jahr durfte ich, finanziert durch Erasmus, an einem zweiwöchigen Austausch nach Helsinki in Finnland teilnehmen. Neben den unzähligen Erinnerungen, die ich aus diesen zwei Wochen mitnehme, konnte ich auch viele typisch finnische Erfahrungen sammeln. So lief ich zum Beispiel auf einem zugefrorenen See Schlittschuh, ging bei –15 Grad Eisbaden oder verbrachte lange Saunaabende. Außerdem durfte ich an einer weiteren sehr typischen finnischen Sache teilnehmen, dem gemeinsamen, kostenlosen Essen in der Schulkantine.
Beim Mittagessen sitzen alle Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte bunt gemischt an Tischen. Die Gerichte reichen von Hirsebrei mit Beeren über Gemüsebratlinge und Fisch mit Kartoffelpüree bis hin zu Würstchensuppe. Eine Sache fällt bei der Vielfalt der finnischen Küche jedoch besonders auf: Das Essen schmeckt deutlich weniger salzig als bei uns zu Hause. Also begebe ich mich auf die Suche nach einem Salzstreuer. Als ich nach etwa fünf Minuten erfolgloser Suche an unseren Tisch zurückkomme, werde ich etwas verwirrt angeschaut. Ich erkläre meiner Austauschpartnerin mein vergebliches Vorhaben. Daraufhin sagt sie mir, dass man in keiner finnischen Schulkantine Salzstreuer finden wird, da zu viel Salz als ungesund gilt.
Das war das erste Mal das ich mit dem Nordkarelien-Projekt in Kontakt kam. Das Nordkarelien-Projekt entstand in den 1970er-Jahren im Osten Finnlands. Damals hatte die Region eine der höchsten Raten an Herz-Kreislauf-Erkrankungen weltweit. Viele Menschen starben früh an Herzinfarkten, unter anderem wegen einer sehr salz- und fettreichen Ernährung. Als Reaktion darauf startete Finnland ein groß angelegtes Gesundheitsprojekt. Ziel war es, die Ernährung der Bevölkerung langfristig zu verändern. Dabei ging es nicht um Verbote, sondern um Aufklärung und neue Gewohnheiten. Der Salzgehalt in Lebensmitteln wurde schrittweise reduziert, pflanzliche Fette gefördert und gesünderes Essen in Schulen, Kantinen und Supermärkten etabliert.
Besonders auffällig ist, dass diese Veränderungen bis heute spürbar sind. Dass in finnischen Schulkantinen kein Salz auf den Tischen steht, ist also ein direktes Ergebnis des Projekts, wie ich herausfand. Die meisten Finnen sind es inzwischen gewohnt, weniger salzig zu essen, ohne es als Verzicht wahrzunehmen und selbst Kinder lerne im Schlunterricht über die schädlichen Auswirkungen von Salz. Das Nordkarelien-Projekt gilt heute als eines der erfolgreichsten Präventionsprogramme weltweit. Es hat nicht nur die Gesundheit der Bevölkerung verbessert, sondern auch gezeigt, dass gesellschaftliche Veränderungen im Alltag beginnen, manchmal sogar bei etwas so Einfachem wie einem fehlenden Salzstreuer.
Laura Groß (MSS 12)
veröffentlicht am 1.2.2026
Schulalltag in Spanien
Während meines Erasmus+-Schüleraustausches in Spanien, Llerena, konnte ich zahlreiche Unterschiede zum deutschen Schulalltag feststellen. Der Unterricht began dort um 8:30 Uhr und endete um 14:30 Uhr. In Deutschland startet der Schultag jedoch in der Regel bereits um 8:00 Uhr und endet je nach Stundenplan um 13:05 Uhr oder 14:20 Uhr.
Besonders auffällig war die Pausenregelung. In Spanien gab es nur eine einzige Pause von 30 Minuten, während in Deutschland zwei Pausen von jeweils 15 Minuten sowie eine zusätzliche Mittagspause von etwa einer halben Stunde vorgesehen sind.
Ein weiterer Unterschied betraf den Umgang mit Unterrichtsausfällen. In Deutschland nutzen wir eine App, über die wir sofort sehen können, wenn Stunden ausfallen. Fällt die erste Stunde aus, können wir später kommen. Entfällt die letzte Stunde, dürfen wir früher nach Hause. Liegt der Ausfall in der Mitte des Tages, erhalten wir eine Vertretungsstunde. In Spanien sah das völlig anders aus. Auch dort fällt Unterricht aus, wenn Lehrkräfte krank sind. Allerdings werden diese Stunden entweder von einem anderen Lehrer vertreten oder die Schüler müssen sich selbst beschäftigen. Sie haben jedoch niemals frei und können deswegen weder länger schlafen noch früher gehen. Diese Flexibilität, die wir aus Deutschland kennen, existiert dort nicht.
Der Unterricht selbst wirkte deutlich lauter. Viele Schüler arbeiteten nur begrenzt mit oder führten längere Diskussionen mit der Lehrkraft. Deshalb wurden zahlreiche Aufgaben nach Hause verlagert. Wenn Schüler mit diesen Aufgaben Probleme haben, können sie schnell im Stoff zurückfallen, da im Unterricht selbst oft wenig erledigt wird.
Die Klassenorganisation ähnelt im Grundprinzip dem deutschen System. Bis zu einem bestimmten Jahrgang lernen die Schüler in festen Klassen. Ab der Highschool wechseln sie jedoch in Kurse, was dem deutschen Oberstufensystem entspricht.
Der Umgang mit den Lehrkräften ist weniger formell.
Tamara Vietiukova (10s)
veröffentlicht am 9.12.2025